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Fragen und Antworten rund um Grafisches

Was ist eigentlich Raster

...und wie unterscheidet er sich im modernen DTP von Althergebrachten?

Warum rastern?

Um mit nur einer Farbe wie Schwarz auch alle grauen Zwischentöne darstellen zu können, muss man das „Dazwischen” der Integrationsfähigkeit unseres Auges überlassen. Diese Fähigkeit fügt sehr nah beieinanderliegende, dunkle Punkte zu einem Grauwert zusammen. Ein kleiner Ausflug wie es früher gemacht wurde:

Im Zeitalter der oft raumfüllenden Reprokameras wurde zur Reproduktion eines Halbtonbildes (etwa ein Film einer analogen Fotokamera) zu einem druckbaren, gerasterten Bild in den Strahlengang der Kamera ein Kontaktraster eingelegt. Die Zeichnung oben verdeutlicht dies.

Der Lithfilm zeichnet sich dabei durch eine sehr steile Gradationskurve aus, das heißt, er kann keine Halbtöne abbilden, sondern nur hell und dunkel unterscheiden. Der Übergang von großem zu kleinem Rasterpunkt wird über die Menge des angebotenen Lichts aus der Kamera gesteuert.

Bei Digitalbildern ist es anders!

Auch hier kann die Laser-Belichtungsmaschine (Laserdrucker funktionieren genau so) nur schwarze Punkte setzen (ist ja digital ;-), also nur 100% Deckung oder „gar nix”. Kontaktraster braucht es natürlich nicht mehr. Hier wird es wie folgt gemacht:

Beispiel: Es steht eine maximale Geräteauflösung von 2540 dpi (Dot per Inch, ein Inch = 2,54 cm) oder umgerechnet 1000 Punkte per cm zur Verfügung. Das ist also die höchste Auflösung, die die Maschine mit binärer Ansteuerung wiedergeben kann. Ein Raster von 1000 ist allerdings sehr hoch. In der Offsetreproduktion braucht man etwa plus/minus 100 Rasterpunkte pro cm (wird auch in lpi [Rasterlinien pro Inch] angegeben), dafür allerdings Zwischentöne. Bleiben wir ruhig bei den 100 Punkten, damit rechnet es sich besser. Man könnte auch sagen: „Für jeden zu reproduzierenden Rasterpunkt steht in X- und Y-Richtung je 10 Punkte der Maschinenauflösung zur Verfügung (1000/100=10)”. Das entspricht einem Quadrat von 10 mal 10, also 100 „Maschinenpunkten” pro darzustellenden Rasterpunkt. Wenn man jetzt mit unterschiedlichen Algorithmen die Anzahl der gesetzten Punkte zu dem umgebenden durchsichtigen Film beeinflusst – das verändert den Durchmesser des Rasterpunktes –, haben wir wieder den gewünschten Druckraster der Grautöne darstellen kann.

Achtung bei Strichzeichnungen

Die vorhergehende Beschreibung bezieht sich nur auf Bilder mit Zwischentönen! Bei Strichzeichnungen – das sind Zeichnungen die nur aus schwarzen Bildelementen bestehen, wie die Strichmännchen-Darstellungen in einer Zeitung – ist es am Besten die komplette Geräteauflösung zu nutzen. Um einen Auflösungsverlust zu vermeiden, sollte dabei nicht mehr gerastert werden! Strichzeichnungen sind deshalb auch mit mindestens 1200 dpi für eine 1:1-Wiedergabe zu scannen, damit sich die hohe Auflösung eines Laserbelichters nutzen lässt (Bildformat entsprechend SW-Bitmap-TIF statt Graustufen-TIF). Das folgende Bild zeigt den Auflösungsverlust, wenn – statt mit der höheren Maschinenauflösung – mit der Rasterauflösung (lpi = Rasterlinien per Inch) gearbeitet wird.

Dies schädliche Rasterung ist bei 0815-Scanns technischer Zeichnungen oft der Grund für schlechte Erkennbarkeit.

Was heißt das alles in der Praxis?

Die Erläuterungen sollen dabei verstehen helfen, warum ein Graustufenbild etwa 300 dpi (118 Rasterpunkte pro cm bei 1:1-Wiedergabe*) haben sollte. Sie könnten jetzt einwenden, das sei viel zu hoch, denn ein Standardraster beim Offsetdruck ist der "80er", also 80 Rasterpunkte pro cm und kein „118er”. Richtig, es hat sich aber gezeigt, dass der Weiterverarbeitung mehr Auflösung (mindestens das 1,5fache) angeboten werden muss – sozusagen als Reserve – als tatsächlich benötigt wird. Nur dann haben die Bilder eine gute Qualität und sehen nicht pixelig und unscharf aus.

*) 1:1 -Wiedergabe heißt, wenn Sie ein Bild in Postkartengröße brauchen, muss die Vorlage in der gleichen Größe mit 300 dpi gescannt werden (72 dpi oder 96 dpi Bildschirmauflösung reichen also auf gar keinen Fall!). Ist die Vorlage dabei nur halb so groß wie das End-Bild, muss diese schon mit 600 dpi eingescannt (usw.) werden!

Übrigens: Verkleinerungen (Vorlage ist größer als das benötigte Bild) funktionieren immer recht gut und sollten – um die Datenmenge zu reduzieren – auch genutzt werden. Nachträgliche Vergrößerungen dagegen bringen außer einer größeren und unnützen Datenmenge gar nichts, denn dabei werden in der Regel nur die vorhandenen Bildpunkte vervielfacht.

Ein Tipp zu Screenshots

Verändern Sie Screenshots auf gar keinen Fall in der Größe. Wenn Sie diese in einer anderen Größe als „geschossen” in ein Layout einbauen müssen, wählen Sie besser die Funktion „An (Bild-)Rahmen anpassen”. Diese Funktion besserer DTP-Programme skaliert ein Bild das nur und verändert die originalen Bilddaten nicht. So bleibt die Datenmenge und damit die Auflösung erhalten. In den folgenden Bildern sieht man die Unterschiede leider nicht so gut, da die Bildschirmauflösung schon wieder nicht mitmacht. Oft müssen in Dokumentationen Bildschirmansichten eingebaut werden, hier ist das sonst so wichtige „Datensparen” also fehl am Platz! Wichtige Elemente auf dem Bildschirm (sei es Text, Begrenzungs- linien oder was auch immer) sind oft nur ein Pixel breit, es versteht sich von selbst, wenn bei einer Reduzierung der Auflösung gerade dieses eine Pixel „weggerechnet“ wird, ist die Linie verschwunden oder der Text schwer lesbar. Eine Auflösungsreduzierung um die Hälfte heißt nichts anders als: „Wirf jedes zweite Pixel weg”. Das ist zwar sehr vereinfacht ausgedrückt, die verwendeten Algorithmen der Bildbearbeitungsprogramme sind schon etwas schlauer, aber das ändert meist am Ergebnis nicht. Bilder müssen immer als extra Datei geliefert werden. In Textverarbeitungen eingebundene Bilder werden fast immer in der Größe verändert oder sind nur mit Verlusten exportierbar!

Sonderstellung: Vektordaten

Wenn Zeichenprogramme Vektordaten liefern können, sollten diese bevorzugt werden. Diese Daten beinhalten keine endliche Auflösung, sind also nicht von vornherein auf einen dpi-Wert festgelegt. Sondern speichern – etwa bei einer Linie – nur den Ursprung und das Ende ab. Also zwei Koordinatenpaare mit X- und Y-Richtung. Erst die Ausgabemaschine berechnet dann bei Belichtung oder bei der Ausgabe auf einem Laserdrucker das Bildelement mit der höchsten zur Verfügung stehenden Auflösung. Somit ist die Ausgabe „immer auf der sicheren Seite”.

„Haarlinien” und „Null-Objekte” vermeiden

„Haarlinien” wie sie sie manche Zeichenprogrammen ermöglichen, sind „Teufelszeug”, denn bei der Belichtung sind diese nicht mehr sichtbar. Diese Linieneigenschaft weist den Drucker an: „Gib die Linie mit der höchsten Auflösung – also nur ein Maschinen-Pixel breit – aus, die du hast!” Das heißt bei einer Belichtungsmaschine mit 2540 dpi, dass die Linie nur ein Pixel also nur 0,01 mm breit ist. Da braucht man schon eine Lupe!

Mit Null-Objekten sind Zeichnungsteile gemeint, die keine sind, weil sie weder eine Füllung noch einen Rand besitzen. Trotzdem sind sie als Objekt vorhanden und der Grund für so manches Druckproblem. Solche Objekte besser gleich löschen und nicht nur die Eigenschaften reduzieren.

Datenformate: TIF(F), EPS, JPG und Co

Mit TIF(F) (als Pixelformat, nicht komprimiert) und EPS (als Vektorformat) sind Sie immer „auf der sicheren Seite”.

JPG (Pixelformat) darf nicht hoch komprimiert sein, um extreme Farbverfälschungen zu vermeiden! Dann aber sehr gut brauchbar. Ist oft das gängige Format von Digitalkameras.

GIF ist nur fürs Web geeignet, da die Farbtreue sehr eingeschränkt ist.

BMP und PCX (beides Pixelformate), wobei BMP für Screenshots ganz brauchbar ist, aber sehr hohe Datenmengen liefert und PCX veraltet ist. Spielen sonst aber keine große Rolle mehr.

PDF kann als Container-Format sowohl Pixel- als auch Vektordaten enthalten und ist damit nur so gut wie diese eingebundenen Dateien. Da auch außerdem die Auflösung von Bildern beim Schreiben des PDFs bestimmt werden kann, ist vor der Weiterverarbeitung abzuklären, welche Einstellungen (JobOptions) hier gewünscht werden.

Hinweis: Ist etwa nur ein Pixelbild in ein PDF eingebunden, wird daraus kein Vektorformat – es bleibt ein Pixelbild mit dem Nachteil der Auflösungsbegrenzung (siehe oben). Allenfalls wird dadurch die Portierbarkeit besser.

Als letztes noch: Bilddateien für Papierreproduktion sollten immer – um Farbverfälschungen zu vermeiden – im 4C-Format (CMYK) vorliegen. Bei Bildern für das Web ist natürlich das RGB-Format besser da der Bildschirm eben mit Lichtfarben *) und nicht mit Stofffarben arbeitet.

*) Die Lichtfarben des Bildschirms oder einer anderen Lichtquelle und die Farben von Stoffen (wie Druckfarben) sind nicht so ohne Weiteres von diesen beiden Farbmodellen hin- und herzurechnen. Diese Problematik füllt ganze Bücher und ist der Grund für so manchen falschen Farbton ;-)